Rund 300.000 Menschen mit serbischen Wurzeln

Die Serben/Serbinnen stellen, neben den Deutschen die zahlenmäßig stärkste Volksgruppe in Österreich. Nach Schätzungen leben hierzulande etwa 300.000 Menschen mit serbischen Wurzeln. Einzig was die ausländische Herkunft (Geburtsland und/oder Staatsangehörigkeit) betrifft, sind die Deutschen laut Statistik Austria* vor den Serben.

Vereine und Organisationen der serbischen Diaspora schätzen, dass etwa 300.000 Personen in Österreich der serbischen Community angehören. In diesen Berechnungen sind nicht nur aus Serbien stammende Menschen der Ersten und Zweiten Generation inkludiert, sondern auch jene, die ihre Wurzeln in anderen Staaten Ex-Jugoslawiens haben, aber der serbischen Bevölkerungsgruppe angehören und sich als Serben deklarieren.

Auch die Schätzungen der serbisch-orthodoxen Kirche, belaufen sich ebenso auf rund 300.000 Personen serbischer Herkunft in Österreich.

Große Denker und viele Arbeiter 

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts siedelten sich die ersten SerbInnen in Wien an. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Wien für die serbische Intelligenzija ein wichtiges geistiges Zentrum. Einer der bedeutendsten serbischen Köpfe, der Wissenschafter und Dichter Vuk Stefanovic Karadzic, lebte hier mehr als 50 Jahre und brachte sein berühmtes “Serbisches Wörterbuch” im Mechitaristen-Kloster in Wien-Neubau heraus. Der Philosoph und Schriftsteller Dositej Obradovic studierte und lebte sechs Jahre in Wien.

Ab den späteren 1960er Jahren kamen weitere zehntausende Serben als Arbeitskräfte nach Österreich. Nachdem Österreich aufgrund der fehlenden Arbeitskräfte und als Folge des Raab-Olah-Abkommens im Jahr 1966 ein Anwerbeabkommen mit dem damaligen Jugoslawien unterzeichnete, kamen viele Arbeiter vor allem nach Wien und arbeiteten überwiegend in Fabriken. 1971 gab es 93.337 jugoslawische Staatsbürger-Innen in Österreich, 1973 waren 78,5 Prozent der rund 230.000 in Österreich beschäftigten GastarbeiterInnen jugoslawische Staatsbürger-Innen. Genaue Angaben über den Anteil der SerbInnen sind nicht möglich, da Serbien eine Teilrepublik Jugoslawiens war und Statistiken nicht nach Teilrepubliken aufgeschlüsselt sind.

Bei der Volkszählung 1981 lebten laut Statistik Austria 125.890 Personen aus Jugoslawien in Österreich, 1991 stieg die Zahl auf 197.886 Personen. Während des Bürgerkrieges in den 90-er Jahren, kam es zu einem weiteren Zuzug der Serben aus ganz Ex-Jugoslawien nach Österreich. Bei der Volkszählung 2001 wurden aufgrund des Zerfalls Jugoslawiens erstmals die sechs ehemaligen Teilrepubliken (Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Slowenien) getrennt erfasst.

Serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde seit über 150 Jahren 

In Wien existiert seit 1860 eine serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde, die 1967 als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt wurde. 1893 erfolgte die Einweihung der Kirche Sveti Sava (Heiliger Sava) im 3. Wiener Gemeindebezirk. Es folgten Kirchen im 17. und im 2. Wiener Bezirk. Zudem wurde die Kirche Neulerchenfeld im 16. Bezirk an die serbisch-orthodoxe Gemeinde übergeben.

Die serbisch-orthodoxe Kirche in Österreich gehört zur Diözese Österreich-Schweiz und hat neben den vier Kirchen in Wien Pfarren in allen österreichischen Landeshauptstädten. Zudem gibt es Pfarren in Wiener Neustadt, Tulln, Gmunden, Enns, Saalfelden, Kufstein und Braunau am Inn.

Zahlreiche Vereine – Sport und Kultur im Mittelpunkt

Bereits Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre kam es zur Gründung mehrerer jugoslawischer „Gastarbeiter-Vereine“. Der älteste serbische Verein, “Jedinstvo” (Einheit), feierte im November 2011 sein 41-jähriges Jubiläum. Heute gibt es dutzende serbische Vereine in Österreich, die sich hauptsächlich mit Sport und Kultur befassen. Zudem gibt es jede Woche ein reichhaltiges Angebot an Konzerten, Ausstellungen, Lesungen oder anderen kulturellen Events.

Die Österreichisch-Serbische Gesellschaft (ÖSG) hat sich zum obersten Ziel gesetzt, bilaterale Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu fördern. Zudem organisiert die ÖSG unter anderem den traditionsreichen Sveti Sava Ball drei Mal. (weiter Informationen Österr.-serb. Gesellschaft) .

“Vesti” meistgelesene Tageszeitung

Insgesamt sechs Online- und Printmedien fokussieren sich auf die serbische Community. Unter den Tageszeitungen hat „Vesti“, die meisten Leser.

Zudem liefern auf dem TV-Sender Okto Sendungen wie “Dijaspora uživo” (Diaspora live), “Ex-Yu in Wien” Beiträge, Reportagen, Kulturtipps und aktuelle Ereignisse.

Österreich nach wie vor attraktiv

Die Zahlen der Zuzüge belegen, dass Österreich für die serbische Bevölkerung noch immer ein attraktives Ziel ist. Dementsprechend ergibt sich für das Jahr 2012 ein positives Saldo von 1.749 Personen.

*Statistik Austria

Quelle: Medienservicestelle Neue Österreicher